PERSONEN

Hugo Neuman (1847-1906), ein Ingenieur aus Oulu, gründete im Jahre 1872 die erste Holzschleiferei in Verla. Sie musste jedoch im Jahre 1874 aufgelöst werden, und  1876 wurde sie durch ein Feuer vollständig zerstört. Danach kam der österreichische Papierhersteller der Fabrik Kuusankoski, Gottlieb Kreidl (1850-1908) zur Rettung.

 

Frau Maria Mattson war zu ihrer Zeit eine Heldin der Arbeit. Ihre umfangreiche Karriere in Verla dauerte 51,5 Jahre, sie arbeitete in der Fabrik von 1884 bis 1936.

 

HUGO NEUMAN

 

Die erste Ära in Verla blieb kurz

Hugo Neuman (1847-1906), ein Ingenieur aus Oulu, gründete im Jahre 1872 die erste Holzschleiferei in Verla. Seine Zeit als Leiter der Holzschleiferei blieb aber kurz.

 

Eine umwälzende Erfindung als Startschuss

Es ist anzunehmen, dass Neuman schon während seines Studiums an der Technischen Hochschule  Zürich, mit der umwälzenden Erfindung der Holzindustrie, der Schleifmaschine bekannt wurde. Nach dem Studienabschluss kehrte er nach Finnland zurück und erhielt eine Stelle bei der Eisenbahnlinie Riihimäki-St. Petersburg. Es ist immer noch ein Rätsel, warum Neuman sein Unternehmen an den abgelegenen Verla-Stromschnellen gründete. Man weiß auf jeden Fall, dass  ihm das Angebot unterbreitet wurde, sowohl eine Getreidemühle von vier Bauernhöfen am Westufer der Stromschnellen als auch einen Anteil an den Stromschnellen selbst zu kaufen.

 

Neuman lieh sich das Baukapital von seinem wohlhabenden Kommilitonen Alexander Konradi  und stellte seinen weiteren Kommilitonen, Waldemar Konradi, als Buchhalter ein. Im Herbst 1871 zogen der erst 24-jährige Neuman und seine 17-jährige Braut Johanna Rahn nach Verla.

 

Holzschleiferei und Maschinen in die alte Getreidemühle

Neuman baute die alte Getreidemühle zur Holzschleiferei aus und erwarb eine 110 PS-Turbine, eine 50 PS-Schleifmaschine und einige Hilfsmaschinen. Um die Bögen zu trocknen, wurde eine alte  Darre aus dem naheliegenden Dorf Selänpää gebracht und in ein Trockenhaus umgewandelt.

Neumans Schleiferei nahm 1872 die Produktion auf mit einer Belegschaft von 10-12 Personen. Weil der nächste Bahnhof sich fast 40 km entfernt in Kausala befand, musste der fertige Holzschliff von Pferden via Valkeala-Dorf zum Bahnhof in Utti gezogen werden, was große Bemühungen benötigte. Im Sommer war der Transport leichter, weil man die Ballen mit speziell zu diesem Zweck angefertigten Booten an die Eisenbahn bringen konnte.

 

Wirtschaftlicher Fall und ein Brand

Die Transportschwierigkeiten waren einer der Gründe dafür, dass Neumans Zeit in Verla kurz blieb. Schon nach vier Jahren, im Frühjahr 1874, musste er sein Unternehmen aufgeben. Neben den schwierigen Transportverhältnissen führten dazu auch die geringe Produktion und schließlich der Preisverfall für den Holzschliff.

 

Neuman kehrte zu seiner Arbeit bei der Eisenbahn  zurück, aber sein Buchhalter Conradi blieb, um die Sachen der Schleiferei zu erledigen. Ein Brand im Jahre 1876 zerstörte die Gebäude bis auf die  Grundmauern und so wurde der Betrieb der ersten Holzschleiferei in Verla leise eingestellt. Weder  Zeichnungen noch Fotos sind von Neumans Schleiferei übriggeblieben.

 

GOTTLIEB KREIDL

 

Rapider Entwickler von Verla

Nachdem die erste Holzschleiferei 1876 bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, kam der österreichische Ingenieur und Papierhersteller der Fabrik Kuusankoski, Gottlieb Kreidl (1850-1908) zur Rettung.

 

Ende 1881 kaufte Kreidl von Neuman sowohl das Mühlengrundstück mit dem Anteil an den Stromschnellen als auch die im Feuer zerstörten Maschinen. Einen Monat später brannte die Fabrik in Kuusankoski nieder. Kreidl wurde also arbeitslos, er konnte sich aber dem Bau des neuen Unternehmens widmen. Eine neue Holzschleiferei und Kartonfabrik wurde 1882 in Verla errichtet.

 

In dem selben Herbst wurde in Vyborg die Gesellschaft Handelsbolaget Werla Träsliperi och Pappfabrik gegründet. Die Teilhaber waren Kreidl, Konsul Wilhelm Dippel aus Vyborg und Ingenieur Louis Hänel aus Deutschland. Das Kapital wurde gleichmäßig an die Begründer verteilt.

 

Ein für den Fabrikherrn geeignetes Wohnhaus

Im Februar 1883 erteilte der Governeur der Provinz Uusimaa der Holzschleiferei und Kartonfabrik Verla eine Konzession. Gottlieb Kreidl wurde zum Verwalter ernannt und er zog mit seiner Frau ins Fabrikdorf, genauer gesagt in ein bescheidenes Haus mit fünf Zimmern, von denen eines als Kontor diente. Neben der Familie Kreidl wohnte auch der Schleifmeister Kronholm in diesem Haus. Das Gebäude brannte im Jahre 1884 nieder und es wurde im darauf folgenden Jahr durch einen neuen Wohnsitz ersetzt, den die Besucher noch heute in Verla bewundern können.

 

Kreidl stand auf der Seite seiner Arbeiter

Gottlieb Kreidl leitete sowohl die Fabrik als das gesamte Fabrikdorf mit väterlicher aber  patriarchalischer Hand ein gutes Vierteljahrhundert von 1882 bis 1908.

 

Kreidl interessierte sich für die Gesundheit und das soziale Leben seiner Arbeiterschaft. So erhielten die Arbeiter schon in den 80er Jahren des 19. Jhs medizinische Behandlung und Medikamente auf Kosten des Unternehmens. Im Jahre 1892 wurde eine Kranken- und Beerdigungskasse errichtet, ein Rentenfond ein Jahr später. Eine eigene Krankenschwester hatte die Fabrik bereits im frühen 20. Jahrhundert.

 

Der Fabrikherr war auch daran interessiert, die Dorfbewohner auszubilden. 1890 wurde eine kostenlose Grundschule für die Kinder von Verla gegründet. Sie war die Schule der Fabrik bis  1922, als sie an die Gemeinde Jaala überging. Die Schularbeit wurde vom Fabrikbesitzer persönlich überwacht. Man sagt, dass immer wenn die Lehrerin Probleme mit den Spitzbuben hatte, wurde der Patron zur Hilfe gerufen. Zu Weihnachten bekam jedes Kind Süßigkeiten vom Fabrikherrn und ab und zu brachte er sein Grammophon zur Schule und unterhielt die Kinder mit Musik.

 

Im Jahre 1908 starb Gottlieb Kreidl an einer schweren Krankheit, ein paar Jahre nachdem die Fabrik eine Aktiengesellschaft geworden war. Weil Kreidl keine Kinder hatte, ging sein Anteil an Verla an den Staat von  Österreich über.

MARIA VON VERLA

Frau Maria Mattson war eine Heldin der Arbeit ihrer Zeit. Als erstes arbeitete sie als Magd in St. Petersburg. In Verla dauerte ihre umfangreiche Karriere 52 Jahre; sie sortierte die Bögen von  1884-1936.  Mit Recht gehört Marias Geschichte zu jeder Führung durch das Museum.

 

Marias verewigte Fußspuren

Marias lange beharrliche Karriere ist in der Geschichte von Verla nicht so außergewöhnlich wie ihr Arbeitsplatz. Maria wog über 50 Jahre lang Kartonbögen an der gleichen Stelle in der Sortierungsabteilung. Zwei Schritte nach links, der getrocknete Bogen wird aus dem Stapel, der aus dem Trocknungshaus gekommen war, genommen und gewogen. Danach zwei Schritte nach rechts, der gewogene Bogen wird auf den richtigen Stapel gelegt. Diese unveränderte Schrittfolge von Maria hinterließ Fußspuren im festen Fußboden der Sortierungsabteilung.

 

Im Laufe der Zeit wurde Maria so unbeirrbar, dass sie trotz ihres abgenommenen Sehvermögens die Kartonstärken ohne Waage voneinander einschätzen konnte – mit geübten Händen fühlte Maria  sogar die Gewichtunterschiede von wenigen Grammen, indem sie nur die Bogenstärke überprüfte.

 

In Rente im Alter von 77 Jahren

Der Maria fiel es schwer, ihren Arbeitsplatz in der Sortierungsabteilung zu verlassen. Sie war so pflichtbewusst, dass sie erst im Alter von 77 Jahren darin einwilligte, in Rente zu gehen. Der Meister musste allerdings versprechen, dass Maria zu Hilfe gerufen würde, falls es beim Sortieren Stockungen oder andere Schwierigkeiten gab.

 

Im Jahre 1995 wurde der Maria zu Ehren ein Novellenfilm gedreht, der Abschnitte aus Marias Leben zur Zeit von zwei verschiedenen Fabrikbesitzern präsentiert. Die jüngeren Generationen können sich während eines Verla-Besuches in Marias Geschichte einfühlen. Im Fabrikmuseum lebt Marias Erinnerung durch ihre verewigten Fußspuren noch heute.