ARCHITEKTUR

Wie durch ein Wunder ist das einheitliche Gesamtbild von Verla vor Zerstörung und geschmacklosen Anbauten bewahrt worden. Die einheitliche und einzigartige Architektur ist schon allein eine Sehenswürdigkeit.

CARL EDUARD DIPPEL

 

Gestalter der einzigartigen Architektur in Verla

Die bedeutendsten Gebäude im Fabrikdorf Verla stammen aus der Feder vom deutschen Architekten Carl Eduard Dippel (1855-1912) aus Vyborg. Er war der Bruder von Wilhelm Dippel, einem der Hauptteilhaber von Verla. Eduard Dippel studierte an der polytechnischen Schule in Hannover und schloss sein Architekturstudium im Jahre 1876 ab.

 

Eduard Dippel war von seinem Studienabschluss an sehr produktiv. Vor seinen Projekten in Verla entwarf er eine Holzschleiferei in Hovinmaa (1876), ein zweistöckiges Geschäfts- und Bürogebäude in Vyborg (1880), den neuen Dom in Vyborg (1881 und, 1891-1892), eine Kapelle in Nuijamaa und ein Wohnhaus (1887), der Aussichtsturm Papulanvuori in Vyborg (1889) und eine Kachelfabrik in Rakkolanjoki (1889).

 

Als die Fabrik in Verla gebaut wurde, wurden auch anderswo von Dippel entworfenen Gebäude errichtet. Ein Haus für die russische Gemeinde von Vyborg (1883), Lagerhäuser in Papula und Vyborg (1896 und 1897), Mietshäuser und das Torkeli-Bürogebäude in Vyborg (1897).

 

Als erstes die Patronsresidenz

Das erste von Dippel entworfene Gebäude, das in Verla noch erhalten ist, ist das Wohnhaus des Fabrikherrn, die sog. Patronsresidenz (1885). Sie repräsentiert den internationalen, schmuckreichen Holzbaustil, der in den 1860er Jahren beim Bauen von Bahnhöfen und Villen beliebt war. Im Jahre 1898 wurde die Patronsresidenz noch um einen  zweistöckigen turmähnlichen Teil erweitert.

 

Ein eindrucksvolles Trocknungshaus wurde in einer Rekordzeit fertig

Als das alte Trocknungshaus 1892 bis auf die Grundmauern niedergebrannt war, beschloss man das neue Gebäude stabiler zu machen. Die von Eduard Dippel entworfene Trocknungsanlage wurde aus Ziegelstein gebaut. Dippel war ein scharfsichtiger Architekt; jetzt dominierte der kirchenähnliche Giebel das gesamte Fabrikgebiet, egal ob man sich ihm auf dem Land- oder Wasserweg näherte.

 

Das prachtvolle vierstöckige Trocknungshaus wurde in einer Rekordzeit von drei Monaten gebaut und wurde Ende 1893 fertig. Der Zeitplan geht aus einem Brief hervor, in dem der Pfarrer von Valkeala gebeten wurde, im Gottesdienst folgendes mitzuteilen: „Am Bahnhof von Selänpää befindet sich täglich Fracht für über Hundert Pferde für jeden Kutscher, der sich sofort zum Dienst meldet.“

 

Die neue Fabrik wurde um die produzierende Fabrik errichtet

Die einzigartigste Bauarbeit war der Aufbau der neuen Holzschleiferei und Kartonfabrik. Das Problem bestand darin, dass das alte Holzgebäude nur kaum zehn Jahre alt war, und dass man die Produktion monatelang nicht einstellen konnte. Auch in diesem Fall kamen die Findigkeit und die guten Fachkenntnisse vom Architekten Dippel zu Hilfe. Die neue, dekorative Fabrik wurde im Jahre 1895 um das alte Fabrikgebäude gemauert. Das alte Holzgebäude wurde nach der Fertigung der äußeren Wände abgerissen und ein neuer Dachstuhl errichtet. So wurde Karton fast die ganze Bauzeit hindurch hergestellt.